SAISON 2021-22

Absenz © Christian Kuhlo, 2021

allein

Die Dialog der Künste-Saison unter dem Titel „allein“ erstreckt sich erstmalig über zwei Jahre.

Die zwei in 2021 geplanten Projekte beschäftigen sich mit dem Schicksal von Menschen, die aufgrund ihres Lebensweges, ihrer Taten oder ihres Charakters alleine dastehen. Sie sind isoliert, haben sich von der Gesellschaft entfernt oder sich in eine Situation gebracht, die sie in einem inneren Konflikt auf sich selbst zurückwerfen.

Das – wenn auch nur empfundene – Alleinsein führt zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Leben, der belastenden Vergangenheit, oft in Relation der Beziehung zu Mitmenschen, und dem damit verbundenen Scheitern. So treibt auch der Druck des Gewissens, hervorgerufen durch eigene Verfehlungen und ´Sünden´, in die Selbstreflexion und letztlich auch zum Urteil über sich selbst. Die Schmerzlichkeit der selbstkritischen Innenschau, der letztlich nichts verborgen bleibt und daher größtmögliche Aufrichtigkeit möglich macht, wenn sie nicht gegenteilig in die Selbstverleugnung führt, kann eine eigene Erlösung bewirken, aber auch in der Sinnlosigkeit des Daseins und der Negierung des (Zusammen-)Lebens enden. 

Die durch künstlerische Abstraktion geschaffene Anteilnahme am Schicksal vereinsamter oder ausgestoßener Menschen wollen wir anhand besonders nuancierter und nahegehender Werke von Benjamin BRITTEN, Modest MUSSORGSKIJ und Fjodor DOSTOJEWSKIJ dem Publikum nahebringen – in Form von reduzierten, zuspitzenden Inszenierungen. Dies sind musikalische Psychogramme, die äußerst differenziert die Entwicklung der Protagonisten erlebbar machen. Ihr Gewissen wird hier in ergreifender Weise musikalisch ausgebreitet.

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Vorverkaufsbeginn für die zwei folgenden DdK-Veranstaltungen : 28. Juni 2021
Vorverkaufskasse im Künstlerhaus – Sophienstr. 2, 30159 H. (Mo-Fr / 12-18 Uhr)

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24. September 2021 – 19.30 Uhr – Ramberg-Saal / Künstlerhaus

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TRAUM EINES LÄCHERLICHEN MENSCHEN

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Fjodor DOSTOJEWSKIJ (1821-81)
́Der Traum eines lächerlichen Menschen ́ – Eine fantastische Erzählung (1877)

Sofia GUBAIDULINA  (*1931)
́Et exspecto ́ Sonate für Bajan solo (1985) (fragmentarisch)

J. S. BACH  (1685-1750)
Partita in d-Moll, BWV 1004 (Bearbeitung für Bajan – fragmentarisch)

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Rezitation – Matthias Neukirch, Schauspielhaus Zürich

Bajan – Kostyantin Buryan, Hannover

Electronica / free musical interaction – N. N.

Video-Art – Tosh Leykum

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Wir inszenieren DOSTOJEWSKIJs fantastische Novelle als hybrid-szenische Rezitation verbunden mit Sofia Gubaidulina religiös geprägten „Et exspecto“ für Solo-Bajan, Johann Sebastian Bachs Partita in d-Moll und live-interruptions („inner noise“) eines Electronica-/Noise-Künstlers.

Seine letzte Erzählung handelt von einem Menschen, der am Rande der Gesellschaft steht. Ist an dem Punkt angekommen, dass er von allen als lächerlich angesehen wird. Er beschließt, sich selbst das Leben zu nehmen.

Da trifft auf der Straße ein kleines verzweifeltes Mädchen, dass ihn um Hilfe anfleht. Gestört auf seinem ́finalen ́ Weg weist er es schroff ab. Zurück daheim legt er sich seinen Revolver zurecht und ist zur Tat bereit. Doch er muss wieder an die Begegnung mit dem Mädchen denken, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Er wird müde und schläft ein.

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14. November 2021 – 18.00 Uhr – Aufführungsort: N. N.

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PETER GRIMES & BORIS GODUNOW

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Modest MUSSORGSKIJ (1839-81)
´Boris Godunow ́
Szenen & Monologe aus der Oper

Benjamin BRITTEN (1913-76)
´Peter Grimes ́, op. 33
Szenen, Monologe & Orchesterzwischenspiele aus der Oper

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Tenor – Robert Künzli, Nds. Staatsoper Hannover

Bass – Shavleg Armasi, Nds. Staatsoper Hannover

Sopran – N. N.

Klavier – Johannes Nies, HMTM Hannover

Illumination, projizierte Szenerie – N. N.

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Die beiden in diesem Konzert präsentierten Opern erscheinen hier reduziert auf das Schicksal des Protagonisten im Sinne eines Psychogramms. Beiden Opern ist eigen, dass sie eine enorme Spanne an Emotionen und psychologischen Nuancen des Hauptdarstellers ausbreiten. Nur jeweils zwei weitere Akteure werden ihnen für kurze Momente zur Seite gestellt. So entsteht ein Art Konzentrat der Geschichte und der Entwicklung der zentralen Figur. Wir bewegen uns so fast allein auf der Ich-Ebene und sind so hautnah am Protagonisten. Diese besondere Form der Aufführung vermag es, eine ungewöhnlich intime und somit intensive Beziehung zu ihnen aufzubauen..

BRITTENs zweite Oper erzählt vom Leben des Fischers „Peter Grimes“, der in seinem Dorf unter dem Verdacht steht, für den Tod seines jugendlichen Lehrlings verantwortlich zu sein, vor Gericht aber davon freigesprochen wird. Ohnehin durch seine Eigensinnigkeit und Grobheit am Rande der Gesellschaft stehend, lebt er zunehmend isoliert. Die Einzige, die noch zu ihm hält ist Ellen, eine verwitwete Lehrerin.

Die Schwere der Arbeit auf See lässt Peter jedoch wieder nach bezahlbarer Hilfe suchen, obwohl ein guter Bekannter, Kapitän Balstrode, ihm dringend davon abrät. Ihm wird eine Junge aus dem Armenhaus vermittelt. Doch spürt Grimes deutlich die zunehmende Ablehnung der Dorfbewohner…

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MUSSORGSKIJs Oper handelt vom Schicksal des Bojaren „Boris Godunow“ und der Verlockung der Macht. Nach dem Tod seines Schwagers Fjodor, dem Sohn Iwan des Schrecklichen, lässt sich Boris unter dem Jubel der Menge zum neuen Zaren krönen. Er verspricht, gerecht zu herrschen.

Mit der Zeit erfüllen ihn die schwere Bürde seiner Macht über das riesige russische Reich, der glücklose Verlauf seines Schicksals, Verrat und Aufruhr im Volk mit großer Sorge über seine Macht und die Zukunft seines Sohnes Feodor, der ihm als Zar nachfolgen soll. In banger Vorahnung sinnt er: „Wie schwer ist doch die Hand des ewigen Herrn und schrecklich drückt der Richterspruch der Seele…“. Eine schwere Sünde lastet auf seinem Gewissen, denn Boris hat den rechtmäßigen Thronanwärter, Fjodors Halbbruder Dmitri, im Kindesalter ermorden lassen, um selbst an die Macht zu kommen…