Saison 2018/19

 

 

Abschied

 

2018

____________________________________________1. KONZERT

 

REQUIEM                                                   (Karten)

DdK_Plakat_111118        

11.11.2018 – 18.00 Uhr | Künstlerhaus / Joseph-Joachim-Saal

* * * *

ANNA ACHMATOWA

   „Requiem“ (Gedichtzyklus)

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH

   Klavierquintett in g-Moll, op. 57

J. S. BACH

   „Die Kunst der Fuge“, BWV 1080 (Auszüge)

MIECZYSŁAW WEINBERG

   Klavierquintett in f-Moll, op. 18

* * * *

Johanna Bantzer – Rezitation, Nds. Schauspielhaus   (Info)

Mark Gothoni – Violine, Orpheus Quartett   (Info)

   FLEX ENSEMBLE   (Info)

Kana Sugimura – Violine

Anna Szulc-Kapala – Viola

Martha Bijlsma – Cello

Endri Nini – Klavier

* * * * *

ACHMATOWAS Jahrhundertgedicht gilt mit seiner karg-edlen, kristallinen Lyrik als das literarische Zeugnis der Auflehnung gegen die stalinistische Gewaltherrschaft. Das ergreifende Klagelied der wohl größten russischen Dichterin entstand in den späten dreißiger Jahren und ist der Trauer und dem Gedenken all derer gewidmet, die im stalinistischen Terror unterdrückt, misshandelt oder ermordet wurden. Auch ihr Sohn war lange Jahre inhaftiert, letztlich als menschliches Pfand, um in grausamer Weise ihren modernen, freiheitsdrängenden Geist kontrollieren zu können. Ihr „Requiem“ ist so ein Abschiednehmen insbesondere von allen damals mit ihr leidenden Müttern und Frauen mit dem Versprechen, literarisches Gedächtnis dieser Zeit und der Menschen zu sein.

Die inszenierte Rezitation der Lyrik Achmatowas wechselt sich mit Sätzen aus den beiden großen Klavierquintetten SCHOSTAKOWITSCHS und dessen in Polen gebürtigen Schülers WEINBERG ab. Beide Werke sind geprägt von Melancholie, innerer Unruhe und Aufruhr. So spricht aus ihnen sowohl der nach Neuem strebende, freiheitliche Geist sowie eine große Innerlichkeit und Verletzlichkeit angesichts der Bedrohung durch die sowjetische Führung.

Daneben treten ausgewählte Kontrapunkte aus BACHS finalem Werk: „Die Kunst der Fuge“, dessen perfekte Strenge, Erhabenheit und gedankliche Klarheit der Ausstrahlung und dem Wirken Achmatowas verwandt sind.

____________________________________________2. KONZERT

 

DIE SANFTE                                               (Karten)

 

Verlegung der Aufführung !!! Neuer Termin bald ! | Künstlerhaus / Ramberg–Saal

* * *

FJODOR DOSTOJEWSKI

   „Die Sanfte“ (Eine fantastische Erzählung)

SERGEJ PROKOFJEW

   „Lieder ohne Worte“, op. 35a

SOFIA GUBAIDULINA

   „Freue Dich!“ für Violine & Cello

ALFRED SCHNITTKE

   1. Sonate für Cello & Klavier

* * * *

Matthias Neukirch – Rezitation, Schauspielhaus Zürich   (Info)

N. N. – Schauspielerin/Tänzerin

Lucja Madziar – Violine, Konzertmeisterin – Nds. Staatsoper   (Info)

Nikolai Schneider – Cello, Solist – NDR Radiophilharmonie   (Info)

Kostyantin Buryan – Bajan

Tosh Leykum – VideoArt   (Info)

* * * * *

DOSTOJEWSKIS späte Erzählung – hier als hybrid-szenisches Kammerspiel – ist der innere Monolog eines Mannes, der sein gemeinsames Leben mit seiner wesentlich jüngeren Frau von der ersten Begegnung in seiner Pfandleihe an zurückblickend schildert. Ihre aussichtslose Notsituation ausnutzend, heiratet er sie. Nach anfänglicher Dankbarkeit, begegnet ihm die nur 16-jährige Frau mit zunehmender Ablehnung. Je stärker er sie einengt und bevormundet, desto mehr entzieht sie sich ihm. Ein unterschwelliger Kampf um Macht und Freiheit entbrennt. Der emotionale Konflikt verdichtet sich bis zum tragischen Ende. Fassungslos – im Zweifel über Schuld, Misstrauen und Liebe – bleibt er zurück, unheilvoll auf sich selbst zurückgeworfen.

Der rezitierte Text wird mit Video-Art und fragmentarisch gespielter Musik russischer Komponisten vernetzt. Auch bei allen ausgewählten Werken treffen nur zwei Instrumente aufeinander. Dabei liegt dem Zusammenspiel bei PROKOFJEWS „Liedern ohne Worte“ noch eine lyrische Schönheit von melancholischer Hoffnung inne. Bei SCHNITTKES kontrastreicher, weitgehend dunkler Cello-Sonate wechseln sich dahingegen beschwörend–meditative Parts mit dramatischen Gesten und Klagegesängen ab. GUBAIDULINAS spirituell motiviertes Duo „Freue Dich!“ ist eine eindringliche, intime Wechselrede der Instrumente mit komplexem, fast nervösem Schwanken zwischen verklärender Freude und dem ´Anderen´.

 

2019

____________________________________________3. KONZERT

 

DAS LIED VON DER ERDE                        (Karten)

 

9.5.2019 – 19.30 Uhr | Kreuzkirche / Kreuzkirchhof 3 – Altstadt

* * *

GUSTAV MAHLER

   „Das Lied von der Erde“

   (Bearbeitung für Tenor, Bariton & Klavier von G. Mahler)

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH

   „Sechs Romanzen nach Texten japanischer Dichter“, op. 21

TORE TAKEMITSU

   „Litany“ (Fürbitte)

* * * *

Christoph Pohl – Bariton, Semperoper Dresden   (Info)

Robert Künzli – Tenor, Nds. Staatsoper   (Info)

Johannes Nies – Klavier, HMTM Hannover

N. N. – VideoArt

* * * * *

MAHLERS Liedsinfonie „Das Lied von der Erde“ entstand unter dem erschütternden Eindruck des Todes seiner Tochter und der plötzlichen Diagnose seines unheilbaren Herzleidens. Das gewaltige Werk erklingt hier – begleitet durch schemenhafte Projektionen – in der von ihm selbst geschaffenen Fassung für Klavier, Tenor und Bariton, die sich von der Orchesterfassung unterscheidet. Anstelle eines eigene Welten erschaffenden Klangrausches dominiert eine verletzliche und demutsvolle Stimmung mit feinen Farben und kammermusikalisch sparsamer Polyphonie. Der introvertierte Grundton dieser für Mahler sehr intimen Offenbarung legt eine Aufführung in Form eines Liederabends nahe. Der letzte Satz trägt die vielsagende Überschrift „Abschied“ und endet mit den verklingenden Worten „Ewig, ewig!“. Wie so oft bei Mahler ist es das Sehnen nach transzendentalen Sphären – es ist sein großer Abschiedsgesang, sein ´Lebwohl´.

Auch SCHOSTAKOWITSCHS frühe „Sechs Romanzen“ stellen eine für ihn sehr persönliche Äußerung dar und gehören zu den wenigen Stücken in seinem Schaffen, die von romantischer Liebe handeln. Die unruhig kurzen und leidenschaftlichen Lieder pendeln zwischen abrupt expressionistischer Gestik, spröder Vielfarbigkeit sowie impressionistischer Meditation. Euphorisch und zugleich abstrakt, lotet er so seine Gefühle bis in dunkle Tiefen aus.